Anfänge

Die Geschichte des Unternehmens begann 1922, als die Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen AG unter ihrem Warenzeichen DKW Motorräder in ihre Produktion aufnahmen. 1928 übernahm DKW die Audiwerke AG Zwickau und wurde 1929 mit 60.000 Motorrädern die größte Motorradfabrik der Welt. Ab 1932 gehörte DKW zur neugegründeten Auto Union. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die nun in der sowjetischen Besatzungszone liegenden Produktionsstätten demontiert und in die Sowjetunion abtransportiert. Die Fahrzeugproduktion kam dadurch vorerst zum Erliegen.

Motorradbau in der DDR

Das damals moderne DKW-Werk wurde von 1946 bis 1947 von der Sowjetunion komplett demontiert. Mit der RT 125, einer Vorkriegsentwicklung, begann 1950 unter dem Markenzeichen Industrievereinigung Fahrzeugbau (IFA) wieder die Produktion in Zschopau. Trotz der staatlichen Produktionsvorgabe von 5000 Stück wurden insgesamt nur 1700 RT 125 fertiggestellt. Materialknappheit ließ die Planerfüllung nicht zu. 1951 erschien das erste fahrbare Modell des seitenwagen-tauglichen Motorrades mit 350-cm³-Zweitakt-Boxermotor und Kardanantrieb, die IFA BK 350. Die Serienproduktion der BK lief jedoch erst 1953 an. Ab 1956 heißen, beginnend mit der im Januar auf den Markt gekommenen RT 125/2, alle Modelle nunmehr MZ. Im Juni folgte die MZ ES 250, im Dezember die MZ ES 175 und auch die BK 350 kam mit gesteigerter Leistung und besserer Geräuschdämmung als MZ BK 350 in den Handel.

Die Fertigung der Baureihe RT lief nach zwölf Produktionsjahren 1962 aus. Es wurden bei MZ insgesamt 310.800 RTs gefertigt. Die Produktion der ES 125/150 begann 1956. Das Modell hatte einen Blechpressrahmen, der in der Massenproduktion einfacher zu fertigen war. Zusammen mit den daraus abgeleiteten Baureihen ETS 125/150 und TS 125/150 stellt sie mit ca. 900.000 Maschinen das bis heute meist gebaute deutsche Motorrad dar. Zudem war sie das erste Motorrad mit asymmetrischem Abblendlicht überhaupt.

Im Jahr 1963 gewann das DDR-Nationalteam auf MZ-Motorrädern erstmals die Trophy bei der Internationalen Sechstagefahrt. Dieser Wettbewerb ist gleichbedeutend mit der Mannschafts-Weltmeisterschaft im Motorrad-Geländesport. Es folgten fünf weitere Trophy-Siege auf MZ in den Jahren 1964, 1965, 1966, 1967 und 1969. 1968 stürzte Werner Salevsky und wurde verletzt, die MZ-Mannschaft musste das Rennen aufgeben. Ein letzter Erfolg bei der Sechstagefahrt gelang 1987, als die DDR-Trophy- und Silbervase-Mannschaften den Wettbewerb gewannen. MZ wurde dabei durch die Fahrer Jens Scheffler, Harald Sturm, Uwe Weber, Jens Grüner, Mike Heydenreich und Udo Grellmann vertreten.

Das einmillionste Motorrad seit 1950, eine MZ ETS 250 Trophy Sport, lief 1970 vom Band. 1983 lief das zweimillionste Motorrad vom Band, eine MZ ETZ 250. Mit diesem Modell wurden Scheibenbremse und 12-V-Elektrik eingeführt, beides damaliger Standard in der Motorradfertigung.

Durch den einfachen Aufbau der Fahrzeuge und die untereinander leicht austauschbaren Teile ist die MZ, auch Emme oder Emmie genannt, ein „Volksmotorrad“, das auf Haltbarkeit und Modellkontinuität setzte. Dabei ging es den Konstrukteuren eher um Fahrkomfort als um sportliche Höchstleistungen. Trotz der wirtschaftlich schwierigen Situation wurden aber auch weltweite Neuerungen wie beispielsweise das asymmetrische Abblendlicht oder die Kettenschläuche eingeführt. MZ gehörte zu den wenigen Firmen weltweit, die Motorräder mit Seitenwagen ab Werk lieferten.

Die Motorräder waren auch in der BRD bei Versandkaufhäusern bestellbar und erfreuten sich wegen des günstigen Preises und dem robusten Aufbau insbesondere bei Studenten hoher Beliebtheit. In Städten mit großen Universitäten wie zum Beispiel Aachen gehörten sie bis in die 1990er Jahre hinein zum Stadtbild.

Nach der Wende

Nach der Wende wurde MZ 1990 privatisiert. Das Unternehmen Motorradwerk Zschopau GmbH meldete am 18. Dezember 1991 Konkurs an. Gründe waren unter anderem der Wegbruch des Marktes in Osteuropa und Ostdeutschland. Die ETZ-Patente und -Fertigungsanlagen wurden 1995 an das Unternehmen Kuralkan verkauft, das seit 1987 der Importeur der MZ-Motorräder in der Türkei war. Dort wurden die Modelle ETZ 251 und 301 unter dem Herstellernamen MZ Kanuni seit 1996 noch einige Jahre (wahrscheinlich bis 2001) gefertigt.

Durch den Zukauf von Viertaktmotoren von Rotax wurde versucht, dem Zusammenbruch der Nachfrage entgegenzuwirken. So entstanden verschiedene Kleinserien mit 500-cm³-Viertaktmotoren, in denen sich die bewährte Qualität der MZ-Fahrwerke mit der Zuverlässigkeit der Rotax-Motoren zu einem sehr alltagstauglichen Fahrzeug verband. Da jedoch MZ nach der Wende noch das verpönte DDR-Image anhing, konnten diese Maßnahmen keine Trendwende einläuten, und es wurden nur wenige Fahrzeuge verkauft.

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