INTERFLUG, 1958-1990

 

Staatliche Fluggesellschaft der DDR

Geschichte und Organisation: 
Durch ein am 28.4.1955 veröffentlichtes Kommuniqué des Präsidiums des Ministerrats erhielt die Öffentlichkeit erstmals Kenntnis von den seit Mai 1954 laufenden Vorarbeiten zur Aufnahme eines Luftfahrtbetriebes der DDR. Aufgrund eines Vertrages mit der UdSSR wurde der Flughafen Schönefeld bei Berlin der DDR überlassen. Dort nahmen am 11.5.1955 die ersten deutschen Mitarbeiter unter der Leitung von Werner Kiesling die Arbeit auf. Eine Betriebsparteiorganisation der SED wurde am 1.6.1955 gegründet, ihr erster Sekretär wurde Heinz Kulpa. Durch Regierungsbeschluß wurde am 1.7. des Jahres die erste Betriebsleitung berufen: Hauptdirektor wurde Arthur Pieck, Direktor für den Flugverkehr Fritz Horn, Direktor für Flugtechnik Ernst Wendt, Direktor für Kultur Karl Heiland. Der erste offizielle Flug im Luftverkehr der DDR fand am 16.9.1955 mit einer ›Iljuschin-14‹ statt. An Bord befand sich eine Regierungsdelegation unter der Leitung von Ministerpräsident Otto Grotewohl, die zur Unterzeichnung des Staatsvertrages zwischen der UdSSR und der DDR nach Moskau flog. Mit dem am 20.9.1955 besiegelten Abschluß dieses Vertrages waren die notwendigen rechtlichen Grundlagen für den Betrieb des zivilen Luftverkehrs unter der Hoheit der DDR gegeben.

Funktionen und Wirkungen:  
Die Luftfahrtgesellschaft nahm zunächst unter dem traditionellen Namen ›Deutsche Lufthansa‹ den Betrieb auf. Mit einem Flug auf der Strecke Berlin-Warschau, die dann zweimal wöchentlich bedient wurde, begann am 4.2.1956 der planmäßige Flugverkehr. Aufgrund von Gerichtsentscheidungen wurde es der DDR-Fluggesellschaft untersagt, Flughäfen in westlichen Staaten unter der Firmenbezeichnung ›Deutsche Lufthansa‹ anzufliegen.
Deshalb wurde am 18.9.1958 die ›INTERFLUG - Gesellschaft für den internationalen Flugverkehr mbH‹ mit Sitz in Berlin gegründet. Bis 1957 war die Gesellschaft zunächst dem Ministerium des Innern unterstellt, danach bis Ende 1960 dem Ministerium für Nationale Verteidigung. Am 1. Januar 1961 wurde dann im Ministerium für Verkehrswesen die ›Hauptverwaltung der zivilen Luftfahrt‹ gebildet. Als deren Leiter und zugleich stellvertretender Minister für Verkehrswesen wurde Arthur Pieck eingesetzt.
Mit dem 1.9.1963 wurden alle Luftverkehrseinrichtungen in der DDR zusammengefaßt und unter der Firmenbezeichnung INTERFLUG als zentralistisch organisiertes Luftverkehrsunternehmen der DDR weitergeführt. Generaldirektor wurde Karl Heiland.
Seitdem gliederte sich die I. in fünf Betriebsbereiche: Verkehrsflug, Agrarflug, Bild- und Industrieflug, Ausbau und Verwaltung der Zivilflughäfen und Flugsicherung. Zu den Aufgaben der I. gehörten die Abfertigung und Beförderung von Passagieren, Fracht und Post auf nationalen und internationalen Flugrouten; Dienstleistungen in den Bereichen Agrar-, Forstwirtschafts-, Industrie- und Rettungsflüge, die Bereitstellung von Fluggerät für Luftbildaufnahmen sowie Betrieb, Unterhalt und Ausbau der Verkehrsflughäfen und die Flugüberwachung und -sicherung aller zivilen
Flugmaschinen im Luftraum der DDR.

Auflösung/Ende: 
Am 8.2.1991 wurde der Geschäftsführung der I. von einem Mitglied des Vorstandes der ›Treuhandanstalt‹, mitgeteilt, sie habe den »Geschäftsbetrieb der INTERFLUG auslaufen zu lassen«.
Die Auflösung des Unternehmens wurde einem Liquidator übertragen. Aus Teilen der Liquidationsmasse wurde die Firma › Berliner Spezialflug AG‹ (BSF)
gebildet, die sich vornehmlich auf Dienstleistungen wie Kran-, Foto- und Vermessungsflüge konzentrierte, aber auch im regionalen Liniendienst wieder Passagierflüge anbot. Mitte 1993 beschäftigte das Unternehmen 110 Mitarbeiter und plante zu diesem Zeitpunkt den Gang an die Berliner Börse.

Generaldirektoren:     Arthur Pieck (1955-1961); Karl Heiland (1961-1970); Kurt Dietrich (1970-1978); Generalleutnant Klaus Henkes (1978-1990);           Andreas Kramer (Hauptgeschäftsführer 1990-1991)

 

 

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